Dieser Blogpost ist die Zusammenfassung von einem von insgesamt fünf Gesprächen mit spannenden Männern, welches ich über deren Sexualität führen durfte.

Sexualität ist für Merlin vor allem eine Möglichkeit, Bindung, Nähe und Intimität wahrzunehmen. Er wünscht sich eine “weichere” männliche Sexualität und findet es schade, dass von Frauen bei Männern zu wenig Weibliche Energie “einfordern”.
Merlin, 51

Ingeneur

Weibliche Energie in der männlichen Sexualität

Aktuell nehme ich auf der einen Seite wahr, dass sich Frauen im Allgemeinen sehr mit ihrer Weiblichkeit und Sexualität auseinandersetzen. Die weibliche Sexualität befindet sich in einem Transformationsprozess und dies wird auch sehr offen diskutiert.
Die weibliche Sexualität wurde in der Vergangenheit zu sehr von der (toxischen) männlichen Sexualität dominiert. Im Einklang zur Transformation der weiblichen Sexualität sollte nun auch die männliche Sexualität zu einer positiven, wertschätzenden, manipulationsfreien transformiert werden.

Unter Männern in meinem Umfeld nehme ich oft wahr, dass sich die Sexualität nach wie vor, vor allem in den “männlichen” Energie-Qualitäten abspielt. Unter Männern wird immer noch vorwiegend eine auf Leistung oder nach männlichen Energie-Qualitäten ausgerichtete Sexualität propagiert. Der Wunsch nach Bindung, Nähe und Intimität wird in meiner Wahrnehmung von Männern als “verweichlicht” interpretiert.

Die Gesprächskultur unter Männern in Bezug auf ihre Sexualität ist sehr oft geprägt von Leistung und “Tun” anstelle von sich Fallen lassen, Hingabe und einfach “Sein”.

Diese rein auf die männlichen Energie-Qualitäten ausgerichtete Sexualität bei Männern ändert sich momentan in meiner Wahrnehmung in einem langsameren Tempo, als die Sexualität sich bei Frauen derzeit entwickelt und verändert. Nichtsdestotrotz erhalte ich umgekehrt von Frauen, mit denen ich in Begegnung gehe, zu wenig Signale, dass eine “weiblichere” männliche Sexualität gewünscht ist. 

Schön wäre es also, wenn Frauen auch jeweils umgekehrt das Einbringen von weiblichen Qualitäten in die männliche Sexualität stärker “einfordern” würden.

Ich empfinde nach wie vor, dass es als Mann bei Frauen eine gewisse Erwartungshaltung hinsichtlich dem “Gelingen” der sexuellen Begegnung gibt.
Ich mache des Öfteren die Erfahrung, dass Frauen weniger aktiv bezogen auf das Erleben ihrer eigenen Lust sind, sondern abwarten, dass Mann erkennt, wie Mann ihnen Lust bereitet und was Mann sich wünscht. Könnte mir vorstellen, dass aufgrund der gesellschaftlichen Konventionen Frau ihre Lust nicht zu offensiv zeigen und leben darf.

Sexualität ist für mich oft Ersatz für Bindung und Nähe

Mir ist bewusst aufgrund meiner kindheitlichen Erfahrungen und der Beziehung zu meiner Mutter, dass ich grundsätzlich ein sehr hohes Bedürfnis nach Nähe und Bindung habe. Ich beobachte bei mir, dass für mich Sexualität – dabei ist es egal, ob alleine oder mit anderen Menschen – häufig eine Art Ersatz für Nähe und Verbindung darstellt. Die Nähe und Intimität, die ich im sexuellen Kontakt empfinden kann, ist intensiver, als im normalen Alltag.

Frühkindliche Beziehungen geprägt von Verlust und Trennung
Meine frühkindliche Beziehung zu meinen Eltern war geprägt von Verlust. Ich war schon als Baby mehrere Wochen und Monate von meiner Mutter aufgrund diverser Krankheiten getrennt. Als ich 1 Jahr war, hat sich mein Vater von meiner Mutter und mir getrennt. Ich hatte seit dem nie wieder Kontakt zu meinem Vater. Mein Stiefvater kam in mein Leben, als ich 5 Jahre alt war. Er hatte eine narzisstisch vulnerabler Persönlichkeit, emotional sehr kontrolliert, eher konservativ, Neuem nicht aufgeschlossen und Autoritären gegenüber angepasst, leistungsorientiert und manipulativ.
Er projizierte seine Vorstellungen jeweils auf mich und ignorierte generell die Bedürfnisse von Anderen.

Meine Mutter neigt zum Bemuttern will heute wiedergutmachen, was ihr damals nicht möglich war. Sie nimmt mich immer noch als Ihren Jungen und nicht als erwachsenen Menschen wahr.

Nähe und Bindung “zu weiblich” für mein männliches Umfeld

Viele Männer in meinem Umfeld vermitteln jedoch, dass Nähe und Bindung wie bereits erwähnt “zu weiblich” ist und nicht erstrebenswert ist. Für mich sind also die rein männlichen Energie-Qualitäten in der männlichen Sexualität zu wenig nährend, um mein Bedürfnis nach Nähe und Intimität zu stillen

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Intimität in Begegnung mit Frauen und sich zurückziehen, wenn es “verbindlich” wird 

Interessanterweise gerade ich jedoch auch oft an Frauen, die selbst Blockaden in Bezug auf Nähe und Intimität haben.  
Beispielsweise führte ich vor einigen Jahren für 2-3 Jahren eine offene Beziehung. Diese offene Beziehung war von meiner Partnerin von Anfang an der Wunsch. Für mich war dies zu Beginn sehr herausfordernd, jedoch vertraute ich mehr und mehr in diese Beziehung, da von ihr sehr viel Wertschätzung zurückkam. 
Ich habe mich somit hinein entspannt und auch immer mehr in die Beziehung hineinfallen lassen. Je mehr ich mich jedoch hingegeben habe, umso mehr hat sie sich zurückgezogen. 

Auch ich habe mich jedoch auch schon zurückgezogen. Vor allem bei sehr “weichen” Frauen, ziehe ich mich zurück, wenn es mir zu schnell in Richtung Beziehung geht. Ich nehme dann einen Druck wahr, der zu schnell zu gross wird, dass es eine Erwartungshaltung in Richtung Beziehung oder stabiler Verbindung gibt, und dann ziehe ich mich zurück.

Mir ist bewusst, dass mein Bedürfnis nach Nähe und Intimität und Bindung sich mit diesem Verhalten widerspricht und auch, dass es bemerkenswert ist, ausgererchnet meistens Frauen in mein Leben zu kommen, die keine tiefe Bindung suchen oder Angst vor zu viel Nähe haben.

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Ich glaube, dass mein Bindungstrauma mit meiner Mutter immer noch nicht aufgelöst ist und ich noch die Angst vor Verletzung in mir trage, welche eine tiefe, wahrhaftige Bindung nicht zulässt um mich zu schützen. 
Irgendwie ist das natürlich ungünstig, denn egal, wer der beiden sich auf den anderen einlassen möchte, zieht sich entweder mein Gegenüber oder eben ich mich zurück.
Dabei ist es auch nicht so wichtig, ob schon sexueller Austausch stattgefunden hat oder nicht. 

Um mich jedoch wirklich fallen lassen zu können, bedarf es noch mehr. Ich muss wirklich vertrauen oder es entwickelt sich. 

Kindheitsmuster und Männlichkeit

Da ich viele alte Programme noch laufen habe, und mein System sich schützen möchte und Angst vor Verletzung habe, kann ich mich schwer fallen lassen. Daher kultiviere ich in meinem Sein im Vergleich zu anderen Männern sicherlich weniger die männlichen Energien, wie zielgerichtet zum Abschluss zu kommen, Fokus, Umsetzung …

Kultivieren absichtsloser Begegnungen

Noch vor wenigen Jahren habe ich mich bei Begegnungen darauf konzentriert, bei einem Date mit einer Frau zum Sex zu gelangen. Heute entwickelt es sich mehr und mehr dahingehend, in Begegnungen mit Frauen mit einer offenen und absichtslosen Einstellung hineinzugehen, wobei der Wunsch nach Nähe und Zuwendung trotzdem übergeordnet vorhanden ist. Ich fokussiere nicht auf das Ziel einer sexuellen Begegnung und das Ziel eines Dates war, mit der Frau möglichst Sex zu haben. 

Tinder, Tantra und Real Live

Mir fällt es schwer, die Menschen zu finden, die so wie ich denken. Ich bin leider nicht so der extrovertierte Typ und ich nutze insbesondere seit den Lock Downs Joyclub oder Tinder um Frauen kennenzulernen. 

Pornografie Konsum 

Früher, vor ca. 10 Jahren, habe ich ziemlich viel Pornografie konsumiert. Mittlerweile nur ab und zu, es hängt immer davon ab, ob ich gerade eine Partnerin habe. Habe ich keine, suche ich über einen Chat oder ähnliches Verbindung zu einer Frau und wir masturbieren dann gemeinsam Live. 

Wenn das nicht klappt, dann weiche ich sozusagen auf Pornografie aus. Insgesamt muss ich beim Porno das Gefühl haben, dass die Lust, die die Protagonisten empfinden, echt ist. Wenn Lust offensichtlich gespielt ist, törnt es mich total ab. Ich will an der Lust sozusagen partizipieren, sonst ist ein Porno nur eine “Wixvorlage”.

Achtsamkeit und das Spüren im Körper

Meine Aufmerksamkeit geht beim Schauen des Pornos zwischen meinem Körper und dem Porno hin und her. Es ist so, als wäre ich ein unsichtbarer Protagonist im Porno, der jederzeit die Möglichkeit hätte ins Geschehen einzugreifen .. oder in die Rolle zu schlüpfen und diese in meinem Körper so wahrzunehmen.

Kopf abschalten fällt mir manches Mal schwer

In Begegnungen und auch beim Masturbieren habe ich manchmal zu viele Gedanken im Kopf. Manchmal passiert es mir zum Beispiel, dass ich kurz vor dem Orgasmus bin und dann ein Gedanke in meinen Kopf schiesst, der mir meine Erregung kaputt macht. 

Masturbation als Selbstliebe Tool 

Bei der Masturbation nehme ich mir manchmal wirklich viel Zeit, es kann schon 1-2 Stunden dauern. Ich habe bemerkt, dass das Gefühl danach viel intensiver und länger anhaltend ist, wenn ich die Masturbation in die Länge ziehe. Ich versuche sozusagen die Glückshormon-Ausschüttung über die Masturbationsdauer zu verlängern. Ich berühre mich dabei hauptsächlich im Genitalbereich und teilweise am Körper.

Manchmal masturbiere ich mehrmals pro Tag. Dann bedeutet das, dass mir Nähe, Intimität und Verbundenheit besonders fehlen. 

Meditation

Ich weiss, Meditation würde mir guttun, aber irgendwie schaffe ich es nicht.

Wie erschaffe ich mir eine erfüllte Sexualität ?

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